[FAQ] Frage 4: Muss eine Organisation oder ein Unternehmen jeweils ganz auf Selbstorganisation umstellen?

Die Motivation neue Organisationsformen auszuprobieren, liegt unter anderem darin, mit flexibleren Strukturen mehr Anpassungsfähigkeit zu generieren, einen Umgang mit der Unsicherheit der Umweltbedingungen zu finden und neue Führungsformen auszuprobieren. Nach Robertson ist es schwierig, wenn die neue Organisationsform nur teilweise eingeführt wird. Da die agilen Strukturen nach einem grundlegenden Paradigmenwechsel verlangen, der vollzogen wird oder eben nicht (ebd. 2015: 9). Purpose Driven führt jedochmit dem Begriff der Soziokratie 3.0 die Möglichkeit ein, auch nur Teile von agilen Formen in einer Organisation einzuführen. Dafür stellen die Autoren im letzten Drittel ihres Werkes einen ganzen Werkzeugkasten an möglichen agilen Vorgehen vor. Sie beschreiben dabei ganze Systeme wie Soziokratie und Holakratie, aber auch Teilabläufe mit unterschiedlichst anwendbaren Methoden (Fink/Moeller 2018).

Unsere Beobachtung ist, dass sich die Frage nach einer bereichsweisen oder gesamten Umstellung auf Selbstorganisation ähnlich wie bei allen organisationalen Veränderungsprozessen stellt. Es ist kein Entweder-oder, sondern richtet sich nach den Gegebenheiten und Möglichkeiten. Wichtig sind bei bereichsweisen Einführungen von Selbstorganisation das Beachten der Schnittstellen zwischen dem alten und dem neuen System. Dies ist oft herausforderungsreich. Mit der sog. «Nucleus-Strategie» (in einem Teilbereich beginnen und dadurch Motivation zur Umstellung in anderen Bereichen) haben wir bisher jedoch gute Erfahrungen gemacht.

Quellenverzeichnis

Fink, Franziska/Moeller, Michael (2018) Purpose Driven Organizations. Schäfer Poeschel Verlag. Stuttgart.

Robertson, Brian J. (2015) Holacracy – ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt. München : Franz Vahlen Verlag.

 

Mirjam Buchmann

Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Während rund 15 Jahren arbeitete Frau Buchmann in unterschiedlichen stationären Institutionen (Beobachtungsstation, Massnahmezentrum, Schulheim, Kinderheim, Schulbegleitung) und absolvierte verschiedene Weiterbildungen (Praxisausbildung, Phaemoberatung/Gewaltberatung). Momentan befindet sie sich im Masterstudium an der FHNW Olten, Soziale Arbeit, Schwerpunkt Innovation. Studiumsbegleitend ist sie als wissenschaftliche Assistentin im Institut ICSO (Sozialmanagement, Coaching und Beratung) tätig.

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Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Während rund 15 Jahren arbeitete Frau Buchmann in unterschiedlichen stationären Institutionen (Beobachtungsstation, Massnahmezentrum, Schulheim, Kinderheim, Schulbegleitung) und absolvierte verschiedene Weiterbildungen (Praxisausbildung, Phaemoberatung/Gewaltberatung). Momentan befindet sie sich im Masterstudium an der FHNW Olten, Soziale Arbeit, Schwerpunkt Innovation. Studiumsbegleitend ist sie als wissenschaftliche Assistentin im Institut ICSO (Sozialmanagement, Coaching und Beratung) tätig.

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