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    Sabine
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    Das Fundament jeglicher Selbstorganisation – Selbstführung und Vertrauen

    Herzliches Hallo aus Nordhessen,

    gestern Abend hörte ich in Kassel einen Vortrag von Johannes Technau, dem Geschäftsführer der Buurtzorg Holding GmbH in Deutschland über die Organisation Buurtzorg in den Niederlanden und die ersten erfolgreichen Realisierungen in Deutschland. Die Buurtzorg Strukturen sind mir nicht fremd. 2017 las ich das Buch „reinventing organizations“ von Frederic Laloux mit Freude. Das Fundament des Gelingens von Selbstorganisation ist im gestrigen Vortrag noch einmal mehr sichtbar geworden. Die Fähigkeit der klaren Kommunikation auf Augenhöhe. Die Fähigkeit des Feedback Gebens und Nehmens und Konflikte zeitnah anzusprechen und gemeinsam einer Lösung zuzuführen. Die Fähigkeit das Geschehen auf der gruppendynamischen Ebene zu genießen, auszuhalten und in gegebenen Situationen die Besprechbarkeit zu ermöglichen. Das Fundament ist das gegenseitige Vertrauen und es scheint so basal und so banal zu sein und ist es gleichzeitig auch nicht. Wenn die Kommunikations- und Konfliktkultur in einem Unternehmen viele Jahre von hierarchischen Strukturen geprägt, wenn die Agenda der Meetings schon seit Mitarbeiter*innengedenken auf der Sachebene geschrieben und abgearbeitet werden, der Blick unter die berühmte Wasseroberfläche nicht ritualisiert ist, Kontrolle größer geschrieben wird, als Vertrauen, bedarf es einiger Musterdurchbrechungen bei allen beteiligten Personen auf dem Weg zur Selbstorganisation. Musterdurchbrechungen, das Wort schreibt sich so leicht, ist jedoch, so lehrt mich meine Berufserfahrung, sehr oft von Ängsten, Befürchtungen und Projektionen begleitet, die über die hinlänglich bekannten Reaktionsmuster in Veränderungsprozessen hinausgehen. Beziehungen im Arbeitskontext nachhaltig so positiv zu gestalten, so dass wir mit all unseren Unterschieden, aller Komplexität und allen Unsicherheiten gemeinsam im „Dienst und Qualität der Sache“ gut arbeitsfähig bleiben, ist eine Herausforderung. Der Weg dorthin ist nicht unbedingt einfach, sondern bisweilen holprig, steinig und steil. Und er ist manchmal auch recht lang. Selbstreflexion, Selbstführung, das Aufspüren blinder Flecken, das Schauen in den Spiegel, den andere für uns bereit halten und in dem wir bisweilen etwas sehen, was nicht vorteilhaft ist, sind nur einige der Wegbegleiter. Will sagen, auf dem Weg zur Selbstorganisation sind wir angehalten, in besonderer Weise mit und an uns selbst zu arbeiten.
    Wir brauchen für die Selbstorganisation sicher andere, vielleicht kreisförmige Orga-nisationsstrukturen, einfache und agile Prozesse, eine Vielzahl von Entscheidmodi, breite Schultern für die Übernahme von Verantwortung, Rollen statt Funktionen und überhaupt einen gut ausgestatteten Methodenkoffer. Und wir brauchen uns, denn wir nehmen uns selbst mit auf den Weg. Doch so wie wir waren, können wir wahrscheinlich nicht bleiben.

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