[FAQ] Frage 3: Ist Selbstorganisation in allen Organisationen und Unternehmen umsetzbar?

Ihren neueren Ursprung hat die Anwendung der Selbstorganisation in der Software-Branche. Dort erkannte das Management aufgrund der schnellen Entwicklung in ihrem Kerngebiet schnell, dass es mit dem Wissenstand der Mitarbeitenden nicht mithalten konnte. Viele Entwicklungsteams existierten nur virtuell, arbeiteten häufig gar nicht face-to-face, sondern über weite Distanzen und mussten trotzdem gemeinsam Entscheidungen treffen. Kompetenzen und die Entscheidungen darüber mussten aufgeteilt und abgegeben werden. Dadurch entstanden neue organisationale Räume.

Heute wissen wir: Selbstorganisation ist in allen Betrieben und in allen Branchen umsetzbar und erfolgreich. Das hängt in erster Linie von der Offenheit der Führungskräfte für eine diesbezügliche Änderung ab. Ist das Vorgehen beschlossen, ist weiter entscheidend, inwieweit alle Mitarbeitenden auf den Weg mitgenommen werden können (Robertson 2015). Laloux hat sein Buch auf die Untersuchung weltweit tätiger Unternehmen aller Grössen und Ausrichtungen aufgebaut (Laloux 2014). Darin finden sich Unternehmen aus der ambulanten Pflege (Buurtzorg in Holland), aus der Automobilzulieferer Branche (FAVI in Frankreich), aus dem Bereich der Bildung (Evangelische Schule Berlin Zentrum ESBZ in Deutschland), aus der Kleidungsbranche (Patagonia Outdoor in den USA), aus der Logistik-Branche und viele mehr. Im Bericht der deutschen Juristen zum Thema Agile Arbeit 2019 wurden 104 unterschiedlichste Unternehmen befragt, von denen fast 98% sich klar für agile Strukturen in Unternehmen in der einen oder anderen Form aussprachen. Jedoch nur knapp die Hälfte von ihnen, diese auch wirklich einzuführen planten oder sie gar selber einsetzten (Körner/Schreiner 2019).

Klappt ein Wandel einer Organisation in Richtung Selbstorganisation, so ergeben sich auf allen Ebenen positive Effekte wie zum Beispiel Leistungssteigerungen und zufriedenere, motiviertere und innovativere Mitarbeitende (Weber/Unterrainer 2015; Vermeer/Wenting 2016).

Quellenverzeichnis

Laloux, Frederic (2014) Reinventing organizations. Nelson Parker. Belgien.

Körner, Peter/Schreiner, Paul (2019) Agile Arbeit. CLI Corporate Legal Insights. Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (Hrsg.). Frankfurt. Bundesverband der Unternehmensjuristen (2019)

Robertson, Brian J. (2015a) Holacracy – ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt. München : Franz Vahlen Verlag.

Vermeer, Astrid/Wenting, Ben (2016) Self-Management. How it does work.» rbi reed business information. Amsterdam.

Weber, Wolfgang G./Unterrainer, Christine (2015) Arbeit in demokratischen Unternehmen: ihr Potenzial für eine demokratische Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialpsychologie und Gruppendynamik in Wirtschaft und Gesellschaft. 40. Jahrgang: Heft Nr. 120, S. 20-39.

 

Mirjam Buchmann

Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Während rund 15 Jahren arbeitete Frau Buchmann in unterschiedlichen stationären Institutionen (Beobachtungsstation, Massnahmezentrum, Schulheim, Kinderheim, Schulbegleitung) und absolvierte verschiedene Weiterbildungen (Praxisausbildung, Phaemoberatung/Gewaltberatung). Momentan befindet sie sich im Masterstudium an der FHNW Olten, Soziale Arbeit, Schwerpunkt Innovation. Studiumsbegleitend ist sie als wissenschaftliche Assistentin im Institut ICSO (Sozialmanagement, Coaching und Beratung) tätig.

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Während rund 15 Jahren arbeitete Frau Buchmann in unterschiedlichen stationären Institutionen (Beobachtungsstation, Massnahmezentrum, Schulheim, Kinderheim, Schulbegleitung) und absolvierte verschiedene Weiterbildungen (Praxisausbildung, Phaemoberatung/Gewaltberatung). Momentan befindet sie sich im Masterstudium an der FHNW Olten, Soziale Arbeit, Schwerpunkt Innovation. Studiumsbegleitend ist sie als wissenschaftliche Assistentin im Institut ICSO (Sozialmanagement, Coaching und Beratung) tätig.

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