[Artikel] Soziokratie – der Weg zu mehr Innovation im Grossunternehmen?


Hierbei handelt es sich um eine Zusammenfassung einer Masterarbeit. Die ganze Arbeit können Sie hier herunterladen.

Ausgangslage

Unsere berufliche Umwelt wandelt sich durch die Digitalisierung und durch die Globalisierung rasant. Neue Geschäftsmodelle entstehen, unterschiedliche Branchen wachsen zusammen und vernetzen sich. Die Fähigkeit kontinuierlich Innovationen hervorzubringen, wird zum entscheidenden Schlüsselfaktor in der Wirtschafts- und Arbeitswelt. Die Unternehmen müssen den Wandel aktiv mitgestalten, um ihren Erfolg für die Zukunft zu sichern.

Relevanz des Themas

Durch die technische Entwicklung und den diversen Unsicherheiten über Auswirkung und Risiken des aktuellen Wandels stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Unternehmensstrukturen anzupassen, damit sie diesem Wandel positiv begegnen können. Es zeichnet sich ab, dass die klassischen, hierarchischen Organisationsstrukturen ihre Wirkung verlieren und ein Kulturwandel stattfindet. Die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt sind umfangreich und schnelllebig. Innovationen spielen eine zentrale Rolle, so dass insbesondere in Grossunternehmen nach einer möglichen Antwort für eine entsprechende agile Unternehmensorganisation gesucht wird.

Ziel

Das Ziel ist es, darzustellen inwiefern das soziokratische Organisationsmodell dasjenige Führungsmodell ist, welches eine zukunftsfähige Arbeitswelt schafft und insbesondere in Grossunternehmen die Basis legt, um innovativer agieren zu können. Dazu wurde die folgende Forschungsfrage gestellt: „Soziokratie – der Weg zu mehr Innovation im Grossunternehmen?“.

Vorgehen

Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde ein induktiver Ansatz gewählt, welcher es ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven auf die Thematik zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse basieren auf einer umfangreichen Literaturrecherche von Soziokratie und Innovation und auf den Inputs von Experten verschiedener agiler Organisationsmethoden. Drei Interviews mit Experten der Soziokratie aus einem Grossunternehmen der Schweiz wurden durchgeführt, um die täglichen Herausforderungen in der Praxis einzubeziehen.

Derzeit besteht keine Literatur, welche die Soziokratie und die Innovation in Bezug setzt. Daher ergänzen die Erkenntnisse der Forschungsfrage die Literatur.

Erkenntnisse

Die Digitalisierung und die Globalisierung führen dazu, dass fast ausnahmslos alle Branchen einem Kultur- und Wertewandel unterliegen. Agile Unternehmen setzen auf die neuen Organisations- und Führungsmodelle, damit die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt gemeistert werden können. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Anwendung der Soziokratie die Agilität der Prozesse sowie die Motivation und die Selbstverantwortung der Mitarbeiter gefördert wird. Die Soziokratie konnte als geeignete Methode bestimmt werden, Unternehmen mehr Innovationen zu ermöglichen. Transparenz, Fairness, partnerschaftliche Kommunikation, Potenzialentfaltung und Gleichwertigkeit sind einige Werte der Soziokratie, welche sich positiv auf die Erfolgsfaktoren von Innovationen sowie auf deren Rahmenbedingungen auswirken. Umgekehrt ist es auch so, dass wenn ein Unternehmen Innovationen fördern will, dies eine agiles Führungsmodell bedingt. Da die Soziokratie auf der herkömmlichen hierarchischen Struktur aufbaut und diese mit der Kreisstruktur ergänzt, bedarf es in der Praxis keine speziellen Governance Strukturen. Das Management muss in der Praxis die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Mitarbeiter sich entwickeln und ihr Potenzial ausschöpfen können und es muss gewillt sein, Verantwortung abzugeben, den Mitarbeitern zu vertrauen, Kooperationen zu ermöglichen und die Flexibilität zu fördern. Das soziokratische System bietet dem Unternehmen lediglich einen intelligenten Rahmen, welcher für selbstgewählte Inhalte und deshalb in allen Arten und Branchen angewendet werden kann. Ob es sich dabei um ein Grossunternehmen oder um ein kleines mittelständisches Unternehmen handelt, spielt keine wesentliche Rolle. Daher scheint das soziokratische Organisationsmodell einfacher bei der Einführung zu sein, als ähnliche agile Organisationsmodelle, bei denen die Einführung meist eine professionelle Begleitung nötig macht. Für ein Grossunternehmen ist es schwieriger, sich komplett in ihrer Organisationsform zu verändern, so dass eine Einführung in einzelnen Bereichen, wie die der Innovation, Sinn macht. Diese Teileinführung ermöglicht das soziokratische Modell. Innovative Mitarbeiter, welche kooperationsbereit, kommunikativ und selbstorganisiert arbeiten wollen, haben in der Soziokratie die besten Voraussetzungen. Negative Auswirkungen werden in der Fachliteratur keine erwähnt, in der Praxis wird jedoch erkannt, dass sich nicht zwingend alle Mitarbeiter auf eine solche Arbeitsweise einlassen möchten. Auch kann es im soziokratischen Modell schwierig sein, Mitarbeiter für dieses Modell zu begeistern, welche eine Karriere anstreben. Die Gleichwertigkeit aller hat Vorrang. Abschliessend wurde erkannt, dass die Soziokratie dem momentanen Zeitgeist entspricht und sich in der Praxis bewährt hat. Derzeit ist es ein noch junges Framework, welches in der Schweiz noch wenig bekannt ist. In den Niederlanden, dem Ursprungsland der Soziokratie, in Österreich, Deutschland und in den USA ist das Modell weit verbreitet.

Die ganze Arbeit können Sie hier herunterladen.

Nicole Cipri (Alle Beiträge sehen)

Head of Innovation

CYP - Challenge Your Potential

https://cyp.ch

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